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Managementsystemnormung 2026: Neue Ausgaben, laufende Revisionen und aktuelle Themen

ISO, Standard, Computer

2026 ist für die Managementsystemnormung ein bewegtes Jahr. Das Hauptaugenmerk liegt sicherlich auf der Revision der zentralen Qualitätsmanagementnorm, die kürzlich ihren Abschluss fand: Die Internationale Organisation für Normung (ISO) hat am 16. September ISO 9001:2026 veröffentlicht. Seit Kurzem stehen auch die internationalen Anforderungen für den Übergang akkreditierter Zertifizierungen fest. In den Arbeitsprogrammen der DIN-Normungsausschüsse NA 147 (Qualitätsmanagement, Statistik und Zertifizierungsgrundlagen, NQSZ) und NA 175 (Organisationsprozesse, NAOrg) stehen außerdem mehrere grundlegende Revisionen neben neuen Vorhaben zu Governance, Nachhaltigkeit, Risiko, Resilienz und Arbeitsschutz. Zwei wichtige Dokumente liegen inzwischen in deutscher Sprache vor: DIN EN ISO 9000:2026-09 und DIN EN ISO 19011:2026-09 sind veröffentlicht.

Die 9000er-Familie: Qualitätsmanagement, Auditierung und Konformitätsbewertung

Parallel zur Revision von ISO 9001 wurde in diesem Jahr ISO 9002 als Anwendungsleitfaden überarbeitet. Die Projekte sind inhaltlich eng miteinander verzahnt. Für die Vorbereitung seitens Organisationen empfiehlt es sich, die neuen Begriffe und Auditleitlinien frühzeitig zu berücksichtigen.

Im September hat der NA 147 zudem die deutschen Ausgaben von DIN EN ISO 9000 und DIN EN ISO 19011 zur Verfügung gestellt. DIN EN ISO 9000:2026-09 „Qualitätsmanagement – Grundlagen und Begriffe“ ersetzt die Ausgabe von 2015 und schafft die begriffliche Grundlage für die überarbeitete Normenfamilie. DIN EN ISO 19011:2026-09 „Leitlinien zur Auditierung von Managementsystemen“ löst die Ausgabe von 2018 ab. Neu beziehungsweise erweitert sind unter anderem die Hinweise zu Remote-Auditmethoden, virtuellen Standorten und Lieferkettenaudits. Damit können Organisationen ihre Terminologie, die Qualifizierung von Auditor:innen und ihre Auditprogramme bereits auf den neuen Stand bringen.

Aktuelle Entwicklungen in der Konformitätsbewertung

Auch bei der Konformitätsbewertung hat die ISO dieses Jahr wichtige Grundlagen erneuert. ISO/IEC 17020 für Inspektionsstellen und ISO/IEC 17024 für Personenzertifizierungsstellen erschienen im März 2026; die deutschen Ausgaben folgten im August beziehungsweise Juli. ISO/IEC 17007 liegt ebenfalls in neuer Fassung vor. ISO/IEC 17065 für die Zertifizierung von Produkten, Prozessen und Dienstleistungen hat FDIS-Status, ISO/IEC 17067 befindet sich in der Publikationsphase. Betroffene Stellen und ihre Auftraggeber sollten vor allem prüfen, welche Folgen sich für Kompetenz, Unparteilichkeit, Geltungsbereiche und Umstellungsverfahren ergeben.

Statistik und Projektmanagement bleiben ebenfalls in Bewegung. Im Statistikprogramm des NA 147 wurden unter anderem ISO 22514-2 zur Prozessfähigkeit und ISO 11462-1 zur statistischen Prozesslenkung veröffentlicht. ISO 22514-7 zur Fähigkeit von Messprozessen steht vor der Publikation. Im Projektmanagement kamen ISO 21508 zum Earned Value Management und ISO 21513 zur Nachbewertung von Projekten und Programmen hinzu. Mit ISO/DIS 21520 nimmt die Normung zudem Chancen, Risiken und Governance von Künstlicher Intelligenz im Projekt-, Programm- und Portfoliomanagement auf. Auf nationaler Ebene liegt DIN 55307 zum Transfer aus öffentlich geförderten Forschungsprojekten als Entwurf vor.

Weitere Informationen sind verfügbar unter NQSZ.

Organisationsprozesse und Managementsysteme im Zusammenspiel

Das Portfolio des Ausschusses NA 175 zu Governance und Compliance wächst weiter. Auf die 2025 abgeschlossenen Leitfäden zu Fraud Control, Interessenkonflikten sowie Wirksamkeits- und Kompetenzbewertung folgen zahlreiche neue Projekte. ISO/DIS 37011 behandelt zweckorientierte Organisationen, ISO/DIS 37014 ein Governance-Reifegradmodell, ISO/FDIS 37304 die Zertifizierung von Compliance-Managementsystemen und ISO/DIS 37401 das Diversity-Management. ISO 37001:2025 zur Korruptionsbekämpfung wurde im Juni als DIN ISO 37001 veröffentlicht; die europäische Übernahme läuft. Zugleich beschäftigt sich der NAOrg-Beirat mit der wachsenden Zahl von Normen und dem Risiko einer Überregulierung. Neue Vorgaben sollten deshalb möglichst in vorhandene Governance-, Risiko- und Kontrollstrukturen eingebunden werden.

Nachhaltige Organisationsentwicklung wird zertifizierbar

ISO 53001 ist kürzlich erschienen und bringt einen zertifizierbaren Ansatz für nachhaltige Entwicklung. Der offizielle Titel der Norm lautet ISO/UNDP 53001, da sie in Kooperation zwischen ISO und dem United Nations Development Programme (UNDP) entwickelt wurde. Sie soll Organisationen dabei unterstützen, die UN-Nachhaltigkeitsziele systematisch in Führung und Steuerung einzubeziehen. Die Norm befindet sich mit Ausgabedatum September 2026 in der Publikationsphase; ISO/UNDP 53002 als Umsetzungshilfe hat FDIS-Status. Das deutsche Spiegelgremium entschied im Januar, ISO/UNDP 53001 nicht national zu übernehmen. Für international tätige Organisationen kann sie dennoch Bedeutung gewinnen, etwa über Lieferketten oder Kundenanforderungen. Ob und wie sie genutzt wird, hängt daher vom jeweiligen Organisationsmodell und den bestehenden Nachhaltigkeitsprozessen ab.

Risikomanagement und Business Continuity

Bei Risikomanagement und Business Continuity laufen mehrere Revisionen. ISO 31000 liegt als Committee Draft vor. ISO/AWI 31011 soll den Umgang mit Risiken und Chancen in integrierten Managementsystemen unterstützen. Im Business Continuity Management befinden sich ISO 22301 und ISO 22331 im CD-Stadium; ISO 22333 hat DIS-Status.

Die Arbeitsschutzmanagementnormung greift veränderte Arbeitsbedingungen auf. Die Revision von ISO 45001 hat inzwischen DIS-Status. Diskutiert werden unter anderem Wohlbefinden, Diversität, extern bereitgestellte Leistungen und die Abgrenzung allgemeiner Risiken von Arbeitsschutzrisiken. ISO/PAS 45007 zu klimabedingten Arbeitsschutzrisiken erschien im Januar; ISO/DIS 45008 behandelt Remote Work. ISO 45010 zu Menstruation und Menopause am Arbeitsplatz wurde im September veröffentlicht. Damit erweitert sich die Perspektive um Arbeitsgestaltung, psychosoziale Faktoren, Klimafolgen und verteilte Arbeitsorte.

Weitere Informationen sind verfügbar unter NAOrg.

Was Organisationen jetzt beachten sollten

Ein verlässliches Normen-Monitoring ist essenziell. Es sollte Projektstände, Zuständigkeiten, erwartete Auswirkungen und wichtige Entscheidungstermine sichtbar machen. Besondere Aufmerksamkeit verdienen derzeit ISO 9001 und ISO/UNDP 53001 sowie die Revisionen von ISO 31000, ISO 45001 und ISO 22301. Für DIN EN ISO 9000 und DIN EN ISO 19011 beginnt bereits die konkrete Umsetzung.

Viele Bausteine lassen sich systemübergreifend nutzen. Das gilt für Kontext und interessierte Parteien ebenso wie für Risiken und Chancen, Ziele, Kompetenzen, dokumentierte Informationen, Audits und Managementbewertungen. Für Governance, Compliance, Nachhaltigkeit, Resilienz und Arbeitsschutz sind abgestimmte Wirksamkeitsnachweise sinnvoll. Auditor:innen benötigen dafür neben Normkenntnis zunehmend Prozess-, Daten- und Schnittstellenkompetenz.

Nicht jede neue „Spezialnorm“ verlangt ein eigenes Managementsystem. Entscheidend ist, ob sie aufgrund rechtlicher Vorgaben, Kunden- und Lieferkettenanforderungen, einer vorgesehenen Zertifizierung oder der eigenen Risikolage tatsächlich relevant für die eigene Organisation ist. Neue Anforderungen lassen sich gezielt in bestehende Systeme aufnehmen, ohne unnötige Parallelstrukturen zu schaffen.

Revisionsstände ausgewählter Managementsystemnormen

Managementsystemnormen entwickeln sich kontinuierlich weiter und setzen wichtige Impulse, unter anderem für Qualität, Nachhaltigkeit und sichere Arbeitsbedingungen.

Die nachfolgende Tabelle bietet einen kompakten Überblick über aktuelle Ausgaben, laufende Revisionen und die Verfügbarkeit deutscher Fassungen. Die Angaben entsprechen dem Informationsstand vom August 2026 und sind als stichtagsbezogene Momentaufnahme zu verstehen, da sich Zeitpläne und Veröffentlichungsdaten im weiteren Normungsverfahren noch ändern können.

Norm Aktueller Stand Revisionsstand Deutsche Norm
ISO 9000 ISO 9000:2026 ersetzt ISO 9000:2015

Veröffentlicht im Mai 2026

Revision abgeschlossen Veröffentlicht als DIN EN ISO 9000:2026-09

Ausgabedatum: 2026-09

ISO 9001 ISO 9001:2026 ersetzt ISO 9001:2015

Veröffentlichung im September 2026

In Publikation Veröffentlichung geplant Q4/2026
ISO 9002 ISO 9002:2027 ersetzt ISO/TS 9002:2016, eigenständige Norm

Veröffentlichung geplant im April 2027

In Revision
(DIS-Phase)
Veröffentlichung geplant Q2/2027
ISO 9004 ISO 9004:2018 Keine Revision Veröffentlicht als DIN EN ISO 9004:2018-08

Ausgabedatum: 2018-08

ISO 14001 ISO 14001:2026 ersetzt ISO 14001:2015

Veröffentlicht im April 2026

Revision abgeschlossen Veröffentlicht als DIN EN ISO 14001:2026-06

Ausgabedatum: 2026-06

ISO 19011 ISO 19011:2026 ersetzt ISO 19011:2018

Veröffentlicht im Mai 2026

Revision abgeschlossen Veröffentlicht als DIN EN ISO 19011:2026-09

Ausgabedatum: 2026-09

ISO 45001 ISO 45001:2026 ersetzt ISO 45001:2018

Veröffentlichung geplant im März 2027

In Revision
(DIS-Phase)
Veröffentlichung geplant im Q2/2027
ISO 50001 ISO 50001:2018/Amd 1:2024 Keine Revision Veröffentlicht als DIN EN ISO 50001/A1:2024-12

Ausgabedatum: 2024-12

 

Als DGQ-Mitglied an der nationalen und internationalen Normung mitwirken

Zahlreiche DGQ-Normungsexpert:innen sind in den relevanten Normungsgremien bei DIN, DKE, VDI und ISO aktiv. Dort engagieren sie sich in der Erarbeitung von Normen und Richtlinien, entwickeln Stellungnahmen zu Normungsvorhaben, wirken bei Interpretationsanfragen für die Normenanwendung mit, besuchen Gremiensitzungen und formulieren Beiträge für die interne und externe Kommunikation.
Bei Interesse an einer Beteiligung an der DGQ-Normungsarbeit wenden Sie sich gerne an thomas.votsmeier@dgq.de. Für allgemeine Informationen zum Thema Normung werfen Sie gerne einen Blick auf die DGQ-Themenseite Normung.

 

Über die Autoren:
Dipl. Ing. Thomas Votsmeier leitet das Themengebiet Normung bei der DGQ. Er engagiert sich in verschiedenen Fachgremien bei der European Organisation for Quality (EOQ), der International Personnel Certification Association (IPC), dem Deutschen Institut für Normung und International Standard Organisation (ISO). Unter anderem ist er fachlicher Leiter des DIN NA 147 – 00 – 01 AA Qualitätsmanagement und Mitglied bei ISO TC 176, TC 207 und ISO CASCO.

Stefan Reitz ist bei der DGQ als Projektmanager Normung tätig. Zu seinen Aufgaben zählt die Erzeugung von Sichtbarkeit der DGQ-bezogenen Normungsaktivitäten sowie die Beobachtung und Bewertung von Entwicklungen zu DGQ-relevanten Themen im Normungsumfeld. Zudem ist er Vertreter der EOQ in Gremien und nimmt dabei maßgeblich Einfluss auf die Gestaltung von Normen. Als Wirtschaftsingenieur verfügt Reitz über umfassende Erfahrung in verschiedenen industriellen Branchen. Seine Expertise im Qualitätsmanagement – unter anderem als Auditor und Anwender von Normen – ermöglicht ihm ein tiefes Verständnis für die praxisnahen Anforderungen der Qualitäts- und Normungslandschaft.

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